Hopes Kolumne

Tipps von Hope – oder wie Hund Menschen trainiert

Hope ist Andreas Landseerhündin. Hier schreibt sie für alle Hunde, die ihre Menschen gut erziehen wollen. Menschen dürfen mitlesen. Auf eigene Gefahr.

Fangt früh an

Menschentraining muss direkt nach dem Einzug begonnen werden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man sich erst einmal einen Bonus erarbeitet.

Jetzt sind wir niedlich, haben kleine, runde, nackte Bäuche. Wir riechen gut, und ein einziger, gut eingesetzter Blick bringt mehr als jede wilde Aktion. Und man muss von Anfang an Regeln einführen und Grenzen setzen. Menschen müssen sich sofort daran gewöhnen, sonst wird es später anstrengend mit ihnen.

Die Regeln

Wir müssen alle zwei Stunden raus. Klappt das nicht, macht einfach Pipi – dann geht es rasant. Spielen und Essen sind sehr wichtig.

Essen wird sorgfältig ausgewählt. Nehmt nicht alles, was man euch anbietet – wenn man sich ein bisschen ziert, geht eigentlich immer was. Auch wenn Besucher kommen und schlaue Sätze sagen wie „Es ist noch kein Hund vor dem vollen Napf verhungert“: So was beachten wir gar nicht. Es gilt: Was uns nicht passt, wird ignoriert, alles Gute wird sofort belohnt. Steht also ödes Trockenfutter herum, dann seufzt lang anhaltend und jammert ein bisschen. Erst wenn der Mensch nachlegt und das Futter aufpeppt, schlagen wir zu. Auch kleine Schritte müssen belohnt werden. Das ist sehr wichtig: der kleinschrittige Aufbau.

Nach einer Woche kann zu Schritt zwei übergegangen werden. Jetzt seufzen wir auch mal vor dem aufgepeppten Futter. Ich sage euch: Da geht noch was.

Nachts

Wir schlafen nicht allein. Empfehlenswert ist je nach Wohnlage lautes Weinen oder Klagen, für die, die unter die Bettdecke wollen: Zittern! Hin- und hertappen (nichts für Teppichbodenhalter), anstupsen, ablecken.

Ablecken gilt als der ultimative Liebesbeweis – kann ich nur empfehlen.

Wichtig ist dabei auch der richtige Blick. Bewährt hat sich besonders der Blickwinkel von schräg unten nach oben.

Leinenführigkeit

Auch die Leinenführigkeit muss von Anfang an ein Thema sein. Wir machen freudige Hopser und stürmen in Richtung Grün. Da kommen die Menschen fast immer sofort hinterher, weil sie sich so freuen, wenn wir draußen Pipi machen. Deshalb sollte man nie zu schnell Pipi machen! Sonst folgen die Menschen nicht mehr bereitwillig. Also immer freudig hüpfend von Grünstreifen zu Grünstreifen, und kein Pipi, bis ihr alles gesehen habt und der Mensch bereitwillig folgt. Zur Belohnung könnt ihr dann ein kleines Pipi fließen lassen. Wenn ihr lange genug wartet, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einen Keks gibt.

Hundeschulen

Hundeschulen sind wunderbar. Je nach Humor kann ich verschiedene Trainertypen empfehlen. Am besten sind die mit den vielen Leckerchen. Essen hält Leib und Seele zusammen. Deshalb ist es auch wichtig, nicht zu schnell zu viele Erfolge feiern zu lassen: Wenn etwas als gelernt gilt, gibt es weniger.

Wichtig ist die Kommunikation mit den Menschen. Sagt euer Mensch „Sitz“, so guckt euch erst mal um, ob er überhaupt euch meint. Wenn ja, antwortet ihm mit einem freundlichen „Wuff“. Damit gebt ihr ihm zu verstehen, dass ihr das könnt. So grundsätzlich. Wiederholt er sein „Sitz“, so legt euch einfach mal hin. Viele Menschen sind dann so dankbar, dass ihr überhaupt etwas macht, dass es dafür schon was Gutes gibt. Wenn ihr Glück habt, sagt der Trainer: „Also, das war doch gar kein Sitz! Nochmal.“ Das erhöht die Chance auf den nächsten Keks.

Wenn eure Halter grundsätzlich faul sind, empfehle ich dringend den Besuch einer Fichtelmaier-Hundeschule. Die machen Kniebeugen, wenn der Hund sich setzen soll. Bleibt einfach stehen und lacht freundlich. Dann muss der Mensch eine Kniebeuge nach der anderen machen und ist abends ausgelastet. Irgendwann kommt der Trainer, sagt, dass das Sitz nicht dynamisch genug war, und macht es selbst gaaaanz dynamisch. Dann legt ihr euch hin. Das macht euren Halter glücklich und sorgt für die Vermehrung von Keksen. Denn wenn euer Halter jetzt die nächste Kniebeuge zeigt, setzt ihr euch hin. Kekse werden regnen – damit ihr auch ja sitzen bleibt und nicht die nächste Kniebeuge folgen muss.

Clickerhundeschulen kann ich auch empfehlen. Ihr müsst nur ordentliche Verhaltensketten stricken und die auch immer abklickern lassen. Bewährt hat sich bei der Leinenführigkeit ein ordentliches Nach-vorne-in-die-Leine-Springen. Danach guckt ihr, ob der Halter auch leidet, geht an seine linke Seite und wedelt freundlich. Gut erzogene Halter klicken jetzt und geben einen Keks. Für den nächsten Keks wiederholt ihr den Vorgang einfach. Springen, zurückkommen, Klick und Keks. Eine der wirkungsvollsten Handlungsketten. Aber es gibt viele – macht euch keine Sorgen.

Wo ein Klick, da auch ein Weg.

Die Pubertät

Wichtig: Lasst euch nicht auf Machtspielchen ein wie „Wer erzieht hier wen?“. Solches Fehlverhalten wird ignoriert.

Werden eure Menschen extrem lästig, so macht eine Zeit lang mit und seid ein Trainingserfolg. Ist der Mensch wieder ruhig und gechillt, startet ihr richtig durch. Am Ziel seid ihr, wenn der Mensch nachgibt und sagt: „Das ist die Pubertät, das ist eine Phase und geht vorbei.“ Für Menschen, die das nicht sofort verstehen: Malt euch ein paar Pickel auf die Nase. Pickel sind das Sinnbild der Pubertät, danach sollte es jeder verstehen. Kommt euer Mensch jetzt mit irgendwelchen Signalen, guckt ihr so lange doof, bis er aufgibt und seufzt: „Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase …“

Es gibt Hunde, die bis zum dritten Lebensjahr in der ersten Pubertät waren. Als sich ihre Menschen wunderten, wie lange so eine Pubertät dauern kann, haben sie unauffällig einen Erziehungsratgeber offen hingelegt, in dem von der zweiten Pubertät die Rede ist. Die kann man auch locker über Monate ziehen. Pubertät kann bis ins hohe Alter gehen.

Häufig ist es sinnvoll, bestimmte Situationen einfach ganz cool auszuhalten. Stellt sicher, dass es am Ende auf jeden Fall einen Keks gibt. Wenn ihr euch nicht sicher seid, stellt euch so lange taub und stur, bis der Mensch das Leckerchen deutlich sichtbar aus der Tasche zieht. Vorher bietet ihr nichts an. Konsequenz ist das A und O in der Menschenerziehung.

Zum Schluss

Sind eure Menschen am Ende des Tages sehr erschöpft oder missmutig, empfiehlt sich abends ein Blick von unten, ein genüssliches Seufzen, und dann werft euch auf eure Menschen. Nicht aufhören, bis sie sagen:

„Im Grunde ist er ein guter Hund.“

Das sind gute Voraussetzungen für den nächsten Tag.

Eure Hope